Friaul in Trümmern (Teil 1)

Gemona del Friuli, heute ein ruhiger Tourismusort in Norditalien. Doch am Abend des 6. Mai 1976 verändert sich hier alles. Ein schweres Erdbeben erschüttert die Region. Innerhalb von nur 56 Sekunden liegt ein ganzes Gebiet in Trümmern. Archivaufnahmen zeigen das erschütternde Ausmaß der Katastrophe: 989 Tote, 2.607 Verletzte, rund 100.000 Menschen ohne Zuhause.

Transkript:

Erdbeben in Friaul
06. Mai 1976 – Teil 1
„Die Katastrophe“
Gemona del Friuli, heute ein ruhiger Tourismusort in Norditalien. Doch am Abend des 6. Mai 1976 verändert sich hier alles. Ein schweres Erdbeben erschüttert die Region. Innerhalb von nur 56 Sekunden liegt ein ganzes Gebiet in Trümmern. Archivaufnahmen zeigen das erschütternde Ausmaß der Katastrophe: 989 Tote, 2.607 Verletzte, rund 100.000 Menschen ohne Zuhause.
Flavia Virilli (Vizebürgermeisterin Gemona)
Nach dem Erdbeben war die Lage in Friaul sehr dramatisch. Das Beben erschüttert den ganzen Alpen-Adria-Raum. Häuser stürzten ein, Straßen und Leitungen wurden zerstört.
Viele Menschen waren verletzt, hatten kein zu Hause mehr oder standen unter Schock. In den ersten Stunden zählte vor allem eines: Überleben und einander helfen.
Hellwig Valentin (damaliger Leiter Landespressedienst)
Das Land Kärnten hat sofort der betroffenen italienischen Nachbarregion Hilfe angeboten, der damalige Landeshauptmann Leopold Wagner hat ein Telegram geschickt an seinen Amtskollegen Antonio Comelli und hat ihn die Hilfe des Landes Kärnten angeboten.
Zu den ersten vor Ort zählt der damals junge Pressefotograf Gert Eggenberger.
Gert Eggenberger (Pressefotograf)
Das war wirklich sehr verstörend. Die Leute sind herumgeirrt, haben ihre Sachen zusammengesucht und so, ja, ich habe halt fotografiert, aber alles als stiller Beobachter.
Erich Stocker (Zeitzeuge Berufsfeuerwehr Klagenfurt)
Überall waren halt nur Schuttmassen und so weiter, das war schon erdrückend, der erste Eindruck, aber wie gesagt, du musst dich damit abfinden, weil du musst dort dann anpacken und helfen.
Häuser, Kulturdenkmäler und Industrieanlagen sind großteils zerstört. Besonders Kirchen und historische Bauwerke werden schwer in Mitleidenschaft gezogen, darunter auch die bedeutende Kirche von Venzone.
Erich Stocker (Zeitzeuge Berufsfeuerwehr Klagenfurt)
Wenn man jetzt denkt, wie in Venzone unten, wie die alles wieder aufgebaut haben, wenn man denkt, dass den ganzen Schuttkegel jahrelang die Steine heraussuchen und dann wieder so aufbauen, dass es so ausschaut wie heute, das ist wirklich phänomenal.
Auch der Dom von Gemona und der völlig zerstörte Kampanile werden wieder aufgebaut. Die leicht geneigten Säulen erinnern bis heute an die Spuren der Katastrophe. Einige
Ortschaften hingegen entstehen nicht mehr neu – wie etwa Portis bei Venzone.Heute ist es ein verlassenes Dorf. Ein Ort, an dem die Vergangenheit noch immer spürbar ist.
Expertin Geopark Dellach/Gail
Man hat immer wieder beobachtet, dass die Schäden bei Gebäuden größer sind, wenn das Gebäude auf lockeren Material steht, also auf einen Schotter zum Beispiel, oder auf einen Schwemmkegel, als auf Festgestein, weil sich drüben die Schwingungen verstärken.
Sehen Sie im zweiten Teil unserer Kurzdokumentation: Grenzüberschreitende Hilfe aus Kärnten, spontan und solidarisch.